Warum Recycling schlecht ist

Von 2000 bis 2014 hat sich die Kleidungsproduktion verdoppelt. Was bedeutet das für das Recycling?
kallejipp / photocase.de
Die Deutschen trennen ihre Abfälle wie die Weltmeister. Papier, Glas, grüner Punkt und Restmüll kommt in unterschiedliche Behälter. Auch Kleidung ist im letzten Jahr so viel in Container gegeben wurden, wie nie zuvor. Einerseits eine tolle Entwicklung, denn alles, was nicht im Hausmüll landet, kann ein zweites Leben erhalten und somit zur Ressourcenschonung beitragen. Aber ist diese Entwicklung wirklich so positiv, wenn man weiß, dass sich in den Jahren von 2000 bis 2014 die weltweite Textilproduktion verdoppelt hat!? In nur fünfzehn Jahren, sage und schreibe verdoppelt!

Wieso sind die Recyclingmengen gestiegen?

1. Mehr Angebot als früher

Früher gab es eine Frühlings-, Sommer-, Herbst und eine Winterkollektion. Das heißt das Angebot in den Geschäften war gar nicht dafür ausgelegt, dass sich ein wöchentlicher Besuch in den Geschäften der Stadt lohnte. An 24-Stunden-am-Tag-Internetshopping dachte niemand und Ladenschluss bedeutete noch etwas.

2. Kleidung wird weniger repariert.

Kleidung wurde repartiert, wenn sie kaputt war und nicht einfach entsorgt. Wer erinnert sich nicht noch daran, dass die Eltern und Großeltern Löcher in den Socken stopften?
Wann hast du das letzte Mal Socken gestopft, ein Kleidungsstück repariert oder reparieren lassen?

3. Was wenig kostet, ist wenig wert.

Ganz sicher hat auch die Preisentwicklung einen maßgeblichen Einfluss auf das Konsum- und Nutzungsverhalten. Ein T-Shirt für drei, vier, fünf Euro zu finden ist heute gar nicht schwer. Und wenn das T-Shirt nach einem Mal tragen nicht mehr gefällt, dann tut auch das Entsorgen nicht „weh“, denn der finanzielle Schaden ist vergleichsweise gering. Was dabei schnell in Vergessenheit gerät ist aber, dass selbst bei geringen Kaufkosten für die Herstellung weiterhin tausende Liter Wasser benötigt werden und dass das Kleidungsstück weite Strecken vom Herstellungs- zum Verkaufsort zurücklegen muss, auf denen CO2 verursacht wird.

4. Tragedauer ist verkürzt.

Aufgrund des großen ständig wechselnden Angebotes, aufgrund geringerer Qualität hat sich auch die Tragedauer von Kleidung verringert - d.h. die Kleidung wird schneller entsorgt.

Recycling ist Symptombehandlung

Man fühlt sich gut, wenn man weiß, dass man Papier, Glas und Verpackungen in den richtigen Container, zur richtigen Entsorgungsstelle gebracht hat und damit einen kleinen Nachhaltigkeitsbeitrag geleistet hat. Aber das gute Gefühl versteckt die Tatsache, dass Recycling eine Art Symptombehandlung ist und nicht an den Ursachen ansetzt. Ganz deutlich wird das in dem Spiegelartikel vom 19. Januar namens „Mogelpackung“ illustriert:
Wusstest du, dass in keinem Land so viel Verpackungsmüll anfällt wie in Deutschland? Pro Person 220 kg jährlich, insgesamt sechs Millionen Tonnen Verpackungsmüll – doppelt so viel wie im Jahr 1994! Von dieser großen Menge wird nur ein Bruchteil wirklich wiederverwertet.

Nachteile von Recycling

Zurück zum Recycling. Recycling ist wichtig, denn so besteht die Möglichkeit, dass die in Glas, Papier und Kleidung enthaltenen Rohstoffe ein zweites Leben erhalten. Allerdings darf man nicht vergessen, dass auch beim Recycling Energie benötigt wird, dass die Dinge transportiert werden müssen, was CO2 verursacht, und dass es – leider – beim Recycling einen Qualitätsverlust gibt. Recycling ist ein bisschen wie Symptombehandlung. Es lindert das Problem – aber es setzt nicht an der Ursache an.

Was kannst du also tun?

Es gibt Möglichkeiten für einen nachhaltigeren Konsum:

  1. Kaufe bewusst und nachhaltig: Folge nicht jedem Trend. Achte auf die Qualität deiner Kleidung. In unserem Nachhaltigkeitsguide findest du tolle Tipps, wie du Qualität erkennst.
  2. Tauschen: Es gibt immer mehr Kleidertauschpartys – sei es im Freundeskreis organisiert oder öffentliche Veranstaltungen. Du bringst Kleidungsstücke mit, die du nicht mehr trägst und kannst diese gegen andere eintauschen.
  3. Leihen: Es gibt diverse Anbieter, bei denen du Kleidung leihen kannst. Gerade für besondere Events, bei denen man ein Kleid oder einen Anzug nur einmal anzieht, bietet sich dieser Weg an.
  4. Secondhand kaufen: Secondhand hat den Vorteil, dass im Vergleich zu Neuware keine chemischen Produktionsrückstände mehr in der Kleidung enthalten sind. Darüber hinaus findest du sicherlich ein Unikat, was sonst keiner trägt.
  5. Reparieren: Bevor du das Kleidungsstück entsorgst, kannst du natürlich schauen, ob du es reparieren kannst oder ob ein Schneider in deiner Nähe zu helfen weiß.
  6. Kaufe Mehrweg! Verzichte auf Einwegverpackungen soweit es möglich ist. 
  7. Mach bei unserer PACKMEE-Jahres-Challenge für einen bewussteren Konsum mit:

Und eigentlich ist Recycling auch nicht schlecht – wenn man es nicht als Ausrede für unbegrenzten Konsum nutzt.

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